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Die vordere Kreuzbandruptur 

 

Die vordere Kreuzbandruptur ist, neben der Meniskusverletzung, eine der häufigsten Sportverletzungen überhaupt.

 

Das vordere Kreuzband erfüllt im wesentlichen drei Hauptaufgaben:

 

1. Es stabilisiert den Oberschenkel gegen ein Verrutschen relativ zum Schienbeinkopf in Längsrichtung (sagittale Satbilität)

2. Es verhindert das Verdrehen der beiden Gelenkpartner gegeneinander (rotatorische Stabilität)

3. Es enthält feine Nervenendigungen, die Signale hinsichtlich der Gelenksbelastung an das Gehirn senden, welches wiederum unwillkürlich entsprechende Stabilisationsmassnahmen mittels Muskelanspannung koordiniert (Propriozeption)

 

Bei einer Kreuzbandruptur gehen diese zentralen Funktionen weistestgehend verloren.

 

Dies ist bei einem passionierten Velofahrer, der beruflich sitzend tätig ist, nicht gleichbedeutend mit der Notwendigkeit einer Operation. Ein sportlich aktiver Fussballer oder Skifahrer, Unihockey- oder Volleyballspieler, eine Basketballerin oder begeisterte Joggerin hingegen verspüren in der Regel die resultierende Instabilität im Sinne störender Einknickphänomene (giving-way) oder einschiessender Schmerzen bei Überlastung z.B. des Meniskusgewebes bei Rotationsbewegungen.

 

In diesen Fällen ist eine operative Stabilisierung des Gelenkes angezeigt. Diese dient nicht nur der Wiederherstellung der sportlichen oder beruflichen Einsatzfähigkeit, welche oftmals auch mittels einer konsequent durchgeführten Trainingstherapie möglich ist, sondern mehr noch der Vermeidung von Folgeschäden an Gelenkknorpel und Menisken.

 

Eine Kreuzbandverletzung alleine ist schon ärgerlich und bedeutet einen langen Ausfall im Sport.

Das Auftreten eines Folgeschadens bei unbehandelter vorderer Kreuzbandruptur bedeutet hingegen einen schicksalhaften weiteren Verlauf im Sinne der zunehmenden Gelenkzerstörung und Ausbildung einer Arthrose.

 

Die optimale individuelle Risikoabschätzung und kompetente Beratung hinsichtlich der Sinnhaftigkeit einer operativen Wiederherstellug der Stabilität soll diese Entwicklung vermeiden helfen.

Technisch erfolgt die Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes überwiegend arthroskopisch. Lediglich die Entnahme des Sehnen-Ersatzmaterials erfordert einen zusätzlichen Hautschnitt.

 

Als Ersatzmaterialien zur Verfügung stehen (siehe Schemazeichnung):

1. Die Patellarsehne (Kniescheibensehne)

2. Die Hamstrings (Sehnen der innenseitigen Oberschenkelmuskulatur)

3. Die Quadrizepssehne (oberhalb der Kniescheibe)

 

Welches Sehnenmaterial Verwendung findet, ist für das funktionelle Ergebnis nicht entscheidend.

 

Es gibt jedoch Situationen, in welchen der Chirurg eher zum einen oder anderen Transplantat tendieren wird, so z.B. beim Fliesenleger nicht zur Patellarsehne wegen möglicher Schmerzen beim Knien oder bei der X-beinigen Fussballerin nicht zu den Hamstrings-Sehnen wegen einer Schwächung der Beinachsstabilisierung.

 

Diese Besonderheiten lassen sich am besten am individuellen Fall im Rahmen des präoperativen Arzt-Patientengespräches erklären.

 

Ist der Entscheid zum operativen Vorgehen gefällt, so erfolgt nach Sicherung der Diagnose im Rahmen der diagnostischen Arthroskopie die Entnahme der entsprechenden Sehne, Anlage der Bohrlöcher in Schienbeinkopf und Oberschenkel und schliesslich das Einziehen des Transplantates. Die Fixation im Knochen erfolgt in der Regel mittels selbstauflösender sog. Interferenzschrauben, welche das Sehenmaterial an den Knochen pressen, wo es innerhalb von 8-12 Wochen festheilt.

 

Entscheidend für den Ausfall im Sport oder Beruf ist somit weniger die Dauer der Einheilung des Bandes als vielmehr die Wiedererlangung einer adäquaten Oberschenkelmuskulatur, welche nach der Operation sehr rasch an Volumen verliert und während 6-9 Monaten nach der Operation konsequent aufzutrainieren ist, bevor z.B. wieder Fussball mit Gegnerkontakt ausgeübt werden kann.